Reaktionen

Die großen Künstler trugen die Natur in die Kunst, indes tragen wir die Kunst in die Natur, dies heißt, entgegen allem, was die Kunst hervorgebracht hat durch die Jahrhunderte, sind wir nicht Kunst, wir sind Natur, die in Kunst zukommt auf die Menschen.
(Justizminister a. D. Uni.Prof.Dr.Hans Klecatzky 1988)

Nach Lektüre Ihres „Apollinischen Manifests“ vom August 1997 bekunde ich ihnen meine Solidarität. Ich freue mich, dass Sie als Schöpfer und Vertreter eines in seiner Art einmaligen Naturkunstwerkes sich weder durch Jagdpächter „zu Bestgeboten“, noch durch Bürokraten hindern lassen, Ihre verfassungsgesetzlich gewährleistete Kunstfreiheit auch 2300m über dem Meeresspiegel verteidigen. Der Wirtschaftskörper „ österreichische Bundesforste“ ist ein fiktives Gebilde, eine „Pseudoperson“
(BGBl 610/1977), deren Kompetenz, über Ihr Kunstwerk zu befinden, erst rechtlich begründet werden muss, wozu – wenn ich recht sehe – Ihre Berufung vom 3.1.1997 ja Anlass geschaffen hat. Sie arbeiten für eine große Sache. Man muss kein Sektierer sein, um daran zu erinnern, dass „Apollon“ schon für die Griechen „moralische Disziplin und Reinheit des Geistes personifizierte“, eben etwas, was unserem so genannten öffentlichen Leben weithin mangelt. So wird der durch Ausfüllen zu einem geschlossenen Steinkunstwerk verwandelte „Apollontempel“ hoch über der (nicht nur geophysikalisch zu verstehenden) Talwelt auch zu einem Mahnmal gegen die Umzingler der Kunstfreiheit in unserem Land.
(Justizminister a. D. Uni.Prof.Dr.Hans Klecatzky 1997)


...Und es sollen Tribus & Triendl aus dem Gebiet vertrieben werden. Sie sollen also 38.000 Schillinge bezahlen, ansonsten käme es zur Exekution und zur Zahlung eines weit höheren Betrages, oder gar zum Einlochen der zwei Kunst- und Kulturnarren. Es sind aber keine Narren weltlichen Geistes, sondern der Kunst. Solches verstehen alle diese akademischen Oberwärter nicht mehr.
...Tribus & Triendl sollen genau dort weitermachen, wo die Menschen der Berge seit Jahrtausenden ihre Steinmale errichtet haben, kleine und große Kultstätten. Sie bleiben in der langen Kette von Menschen, die Ihre KULTSTÄTTEN errichten mußten...
(Dr. Hans Haid; Solidaritätsschreiben "An die bunte Schar" 20.2.1990)


...Ich bin sicher, wenn Sie eine Autobahn gebaut hätten, hätte man Ihnen das erlaubt. Vielleicht glauben die Jäger, sie können nicht um das Kunstwerk herum schießen, wenn sie einem armen Tier begegnen. Sie müßten dann oben draufsteigen, um auch die Tiere in weiterer Ferne sehen und abknallen zu können, was natürlich unser aller Anliegen sein muß. Was ist die Kunst gegen ein paar tausend tote Tiere...
(Elfriede Jelinek; Solidaritätsschreiben vom Juni 90)


...Zoe bedenken ist hier allerdings die Lobby, welche
hinter den Jägern (dh. Jagdver &- -Pächter) steht
/codename: BundesForste/-
..; so waere es nicht unwesentlich 1 Lobby zoe bilden,
welches HINTER dem Kunstwerk als Solchem /& den
auszfearenden Kuenstlern stht, zu stehn hat-...
(egon a. prantl; Solidaritätsschreiben vom 22.6.90)


...ganz abgesehen davon, daß natürlich bei der Jagd in all den unteren Seehöhen mitunter ganze Dörfer im Wege stehen und aus "Abschußerfüllungsgründen" abgetragen werden müßten...
(Gerhard Ruiss; IG Autoren Wien; Solidaritätsschreiben vom 21.6.90)


...Daß Ihr Schwierigkeiten habt, ist klar. Da das Kunstwerk in den nächsten 15 Jahren kaum von Touristen besucht werden wird, keinen Strom liefern kann und überdies nicht aus Beton besteht, sondern aus Natursteinen gemacht, handelt es sich wohl um ein landfremdes Objekt.
(Josef Hader; Solidaritässchreiben vom Juli 90)


...und ich freue mich über jede ungewöhnliche Aktion, die eine reglementierte, bürokratisierte Zeit, eine Zeit der Statistik und der Norm, eine Zeit der Phantasielosigkeit, in der Orginale- (Menschen mit Eigensinn)- auszusterben scheinen - erträglich macht.
(Anton Christian; Solidaritätsschreiben vom Juli 90)

...angesichts der vehemenz (=laecherlichkeith) mit der der abbruch des steinkunstwerkes apollontempel gefordert wird wird deutlich wie sehr gerade dieses kunstwerk an den grundfesten der bestehenden ordnung ruettelt. dass man(n) solche angst davor hat. und 2fach (mindestens) ruettelt es (sic): zum einen ignoriert es die entwicklung der kunst. es setzt die (nicht)kriterien der postmodernen (nicht)kunst ausser kraft. ausser kraft aufgrund (mindestens) 2er sachverhalte: die lange dauer die die errichtung dieses kunstwerkes in anspruch nehmen soll (ca. 15 - 20 jahre). die enorme mühe die die künstler für die errichtung dieses kunstwerkes auf sich nehmen. beides sachverhalte die die (post)moderne kunst sozusagen dekonstruieren. zum anderen ist es ein naturkunstwerk. und wann immer die beziehung natur - kultur in frage gestellt wird oder neu gedacht wird sieht sich die bestehende ordnung mit ihrem natur - kultur - verständnis als eines unterwerfungsverhälnis der natur unter die kultur in frage gestellt (=bedroht)...
(Wolfgang k. Mathies, Redakteur der Subkulturzeitschrift "artefact" vom August 1997)